Vierundzwanzig Augen

von Sakae Tsuboi

Dieser Meilenstein japanischer Nachkriegsliteratur, nun erstmals auf Deutsch erschienen, ist einerseits eine Anklage an das totalitäre Japan des zweiten Weltkrieges. Andererseits ist es eine Liebeserklärung an den Beruf bzw. die Berufung des Lehrers und gestattet dem Leser einen Blick in das Leben der einfachen Menschen im Japan der 20er Jahre bis hin zur Nachkriegszeit, betrachtet durch die Augen einer Lehrerin, gespiegelt im Wachsen und Werden ihrer Schüler.

Produktinformation

  • Taschenbuch: 244 Seiten
  • Verlag: united p.c. (Feb. 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-385040938
  • ISBN-10: 3850409430

Lehrerin als Berufung

Zum Inhalt von Vierundzwanzig Augen

“Empfindet man einen Zeitraum von zehn Jahren als eine Ewigkeit, so liegt der Beginn dieser Geschichte schon mehr als eine doppelte Ewigkeit zurück. Sie beginnt am 4. April des Jahres 1928. An diesem Tag wurde in das abgelegene Dorf auf einer Insel an der Seto-Inlandsee eine junge Lehrerin versetzt.“

Die mehrfach preisgekrönte japanische Schriftstellerin Tsuboi Sakae (1899-1967) beginnt ihr Werk „Vierundzwanzig Augen“ wie eine Geschichtenerzählerin.

Der Ort der Erzählung ist also eine winzige Insel, auf der seit Menschendenken eine Kiefer als Wahrzeichen der Heimat der Bewohner steht. Beständig und stolz wächst sie auf dem kargen Boden und dient den Schiffern wie ein Leuchtturm zur Orientierung.

Die Hauptfigur ist die junge Lehrerin Ōishi-Sensei zusammen mit ihren 12 Schulkindern, die  Ōishi-Sensei umkreisen, wie die Planenten um die Sonne kreisen.

Der Zeitraum der Erzählung reicht von 1928 bis zur Nachkriegszeit Japans. Dabei tritt besonders das soziale Anliegen der Autorin jener Zeit schmerzlich zu Tage, wie die Lehrerin hilflos mit ansehen muss, wie das Leben ihrer Schüler in die gesellschaftlichen Missstände verwickelt ist.

Erzählt werden vor allem die Sorgen und Nöte der „kleinen Leute“ und besonders die der Frauen und Kinder jener Zeit. Aber auch die Entwicklung des Staates hin zum Militarismus, der schließlich zur Kapitulation führte, wird aufgezeigt. Mit scharfer Beobachtungsgabe bettet sie die Geschichten der „kleinen Leuten“ in die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ein.

So wird in ihrem 1952 verfassten Roman „Vierundzwanzig Augen“ – ihrem wohl berühmtesten und bereits mehrmals verfilmten Werk – offenbar, wie die Menschen damals gelebt haben. Fast 70 Jahre nach seiner Veröffentlichung erfreut sich der Roman einer ungebrochenen hohen Beliebtheit über Generationen hinweg und leistet einen engagierten Beitrag zur Erinnerung an den Krieg und seine Folgen. Andererseits ist dieses Werk eine Liebeserklärung an den Beruf/die Berufung des Lehrers – genauer der Lehrerin. Damit wird ein immer wieder aktuelles Thema berührt:  Ist der Beruf des Lehrers eine Berufung oder dient er nur der Wissensvermittlung?

Leserstimmen

Was sagen unsere Kunden zu diesem Roman?

„Ich habe Vierundzwanzig Augen an einem Wochenende verschlungen. Der Roman hat mich tatsächlich tief berührt! Die Geschichte der kleinen Dorfschullehrerin und ihrer Schüler hat ein einzigartiges Flair. Ich bin froh, dass ich eine Quelle für nicht ganz so alltägliche Literatur gefunden habe. Vielen Dank Nipponliteratur!“

Ilona Wagner, Saarbrücken

 

„Sakae Tsubois Buch „Vierundzwanzig Augen“ ist eine Kriegserkärung an Gewaltherrschaft und Krieg. Sie führt uns die Auswirkungen einer totalitären Ideologie vor Augen, die wie ein Krebsgeschwür ein Volk von innen her zerfressen können. Es gelingt der Autorin, ihre Botschaft in einer Form zu überbringen, die den Leser zum Nachdenken zwingt, ohne dass es ihm dabei an Lesegenuss mangelt. Dafür sorgen die liebenswerte Protagonistin und ihre Schutzbefohlenen, die in einer zauberhaften Landschaft agieren und neben einer leisen Trauer auch ausgelassene Fröhlichkeit verbreiten.“

Heribert Ambros, Tübingen

 

„Sakae Tsubois „Vierundzwanzig Augen“ zählt zu den Klassikern der japanischen Nachkriegsliteratur. Der Roman skizziert Episoden aus dem Leben einer Lehrerin und deren Schüler. In den 20er Jahren unterrichtet die Sensei Grundschulkinder, wird versetzt und unterrichtet diese Kinder in der Mittelschule erneut. Ihr größter Wunsch ist es, das Strahlen in den „Vierundzwanzig Augen“ der Kinder erhalten zu können. Aber spätestens der zweite Weltkrieg macht diesen frommen Wunsch zu nichte. Denn in dieser Zeit ist der Tod fürs Vaterland höher bewertet als das Überleben. Welche Schüler werden den Krieg überleben? Und wie kommt die Lehrerin mit ihrer Familie durch die harte Zeit?
Der Roman geht zu Herzen. Doch er verharrt nicht als „Liebeserklärung“ an den Lehrerberuf, sondern übt Sozialkritik, indem Schicksale skizziert werden: Junge Mädchen wurden damals wie Sklavinnen in die Prostitution verkauft. Von klein auf wurde den Kindern eingetrichtert, dass der Tod eines Soldaten als erstrebenswert gilt.“

Birkel, auf Amazon

 

„Sakae Tsubois Buch „Vierundzwanzig Augen“ in der Übersetzung von Dr. Ryuko Kobayashi-Woirgardt präsentiert sich im Gegensatz zu dem mittlerweile etwas altbacken anmutenden gleichnamigen Schwarz-Weiß-Film aus den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts überraschend lebendig und aktuell. Aktuell deshalb, weil die zwischenmenschliche Dynamik zwischen Lehrern und Schülern, die gegenseitige Achtung unter den Schülern selber, sowie die Missachtung der Grundbedürfnisse der Bürger durch den totalitären Staat jederzeit jeden etwas angeht. Die Botschaft ist deshalb so gut vermittelt, da die Autorin sie in individuelle „Gesichter“ bzw. „Augen“ kleidet, durch die der Leser sich nachhaltiger mit ihrer Bedeutung verbinden kann. Ein Buch, das man empfehlen kann für Schüler, für Lehrer, für Menschen, die einen Einblick in japanische Geschichte bekommen wollen, und für alle, denen an einem besseren Miteinander gelegen ist.“

Ninon Käthe Bartelmann, Völklingen

 

„Dieses Buch dürfte interessant für Lehrerinnen und Lehrer sein, aber auch für Menschen, die sich gerne an ihre eigene Schulzeit erinnern und sich freuen, wenn ein Klassentreffen stattfindet. Seit der großen Dreifachkatastrophe am 11. März 2011 ist das Japanbild bei den Deutschen wieder präsent. Hier besteht Hoffnung, dass dieses Buch von vielen interessierten Menschen in der deutschen Sprache gelesen wird. Vielleicht entwickelt sich so ein größeres Interesse für die Japanische Kultur.“

Guido Bürkner, Frankfurt am Main