Bericht von Matias Klimpel

By Februar 16, 2018Schüleraustausch

Nach einem Jahr Japanischunterricht kam die unglaubliche Gelegenheit auf, zwei Wochen in Japan zu verbringen; eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Obwohl ich mir zunächst keine Sorgen machte, wie ich mich verständigen sollte, kamen sie vermehrt, je näher der Abflug rückte. Jedoch waren meine Sorgen bei Berührung japanischen Bodens schlagartig verdrängt von Freude gemischt mit einem Gefühl der Ungläubigkeit. Ich war tatsächlich in Japan, dem Land, das ich schon so lange besuchen wollte, dass ich nicht mehr glauben konnte, dass der Wunsch wahr werden sollte.

Sofort stechen einem Besucher Dinge ins Auge, die sich auch in den nächsten zwei Wochen bewahrheiten sollten: Das Land war insgesamt sauber. Obwohl, wie ich später feststellen sollte, es kaum öffentliche Mülleimer gab, war es schwierig, in einer Metropole wie Osaka eine dreckige Straße zu finden, was ein angenehmer Unterschied zu heimischen vermüllten Straßen ist. Unsere Truppe von ungläubig grinsenden Jugendlichen traf bald darauf auf unsere Ankunftsdelegation bestehend aus Lehrern und Gastfamilien und schon hier bemerkte man das nächste Merkmal, das bezeichnend für Japan ist: Wir wurden so herzlich empfangen, als ob wir lang vermisste Verwandte wären. Die Herzlichkeit, die ich in diesen zwei Wochen erfahren durfte, war absolut unfassbar und unglaublich, dass niemand, der sie nicht selbst erlebt hat, sie vermutlich nicht begreifen kann.

Um diesen Bericht in einem angemessenen Maß zu halten, werde ich von nun an versuchen, nur noch Highlights der Reise zu erwähnen, doch die Auswahl fällt schwer, da beinahe alles in irgendeiner Weise erwähnenswert ist.

Nachdem ich also meine Gastfamilie getroffen hatte, hatte ich noch die Gelegenheit, bereits am ersten Abend zwei weitere Dinge zu erleben, die mich die zwei Wochen begleiten sollten und die ich absolut geliebt hatte: das japanische Essen und das japanische Bad. Nachdem Essen haben mich mein Gastbruder und  -vater zu einem Sento, einem öffentlichen Bad mit mehreren kleinen Becken, mitgenommen wo ich mich nach dem langen Flug entspannen konnte. Das Sento mit seinen Becken schafft es ein komplett neues Wohlfühlerlebnis zu gestalten, das ich bis dahin und seitdem nie wieder erreichen konnte.

In den folgenden Woche besuchten wir dann die Tondabayashi Highschool, eine Schule, die besser ausgestattet ist, als manche Privatschule in Deutschland und ein unglaubliches Angebot an Clubs anbietet. Wir durften vereinzelt an Unterrichtsstunden teilnehmen, die sich für mich durch mehrere Punkte auszeichnen. Während des Unterrichts herrscht absolute Stille von Seiten der Schüler, eine Atmosphäre, die in deutschen Schulen regelrecht utopisch ist. Jedoch schliefen einige Schüler einfach auf ihren Bänken ohne vom Lehrer geweckt zu werden, ein Recht, das hier eher aus Schülersicht utopisch ist. Auch in dieser Schule wurde ich wieder Zeuge der oben angesprochenen Freundlichkeit: Mein Gastbruder hat mich nach und nach fast seiner gesamten Klasse vorgestellt, die allesamt unglaublich offen und herzlich auf mich zugegangen sind. Während und nach Ende der Schule und der Clubs hatte ich die Gelegenheit, alle möglichen Aktivitäten, Orte zu besuchen, wie etwa ein Trip nach Kyoto, ein Besuch der der Schule vorgelagerten Tempelstadt, Kalligrafieunterricht, ein Besuch der Schulbigband oder das Einkaufen und Konsumieren diversesten Essens zu Hause oder auch auswärts.

Am ersten Wochenende ging ich nicht nur zum Osaka Castle, Universal Studios Japan und dem Aquarium Kaiyukan, in Letzterem traf ich auch noch meine mir bis dahin unbekannte Großcousine 2. Grades und ihre Familie, was ein für mich völlig neues aber schönes Erlebnis war.
Am zweiten Wochenende fand nun das Tondabayashi Highschool Bunkasai (Schulfest) statt. Die gesamten zwei Wochen durften wir miterleben, wie sich die ganze Schule auf diese zwei Tage vorbereitete. Jede Klasse errichtete ihre eigene Attraktion, wobei alles von Essensständen über Shows bis hin zu einem Geisterhaus vertreten war. Nicht zuletzt haben alle Abschlussklassen ein eigenes Musical auf die Beine gestellt, das, wie wir später erfahren haben, in nur einem Monat erarbeitet wurde.

Es war natürlich nicht immer einfach, sich zu verständigen. Wie ich festgestellt habe, reichte mein japanisch anfangs gerade noch dazu aus, zu fragen: „Was ist das?“ und mich vorzustellen. Doch die dauerhafte Berührung mit der Sprache erreichte, dass ich theoretisch Gelerntes nun auch anwenden konnte, so dass ich in Verbindung mit meinem kleinen Wörterbuch, das ich ab dem dritten Tag immer griffbereit in meiner Tasche hatte, tatsächlich in der Lage war gelegentlich einen sinnvollen Satz von mir zu geben. Gegen Ende der Reise konnte ich unglaublich viel mehr japanisch, als ich erwartet hatte. Ich bin immer noch unglaublich weit entfernt von einer fließenden Konversation, aber ich kann doch mit einem toleranten Zuhörer, meinem kleinen Wörterbuch, etwas Englisch und viel, viel Zeit einiges zu verstehen geben (oder so glaube ich zumindest, ich weiß nicht, wie viel tatsächlich bei meinem Gegenüber angekommen ist). Doch vor allem hat erneut die Freundlichkeit der Japaner zu diesem geführt, da sie sich unglaublichste Mühen gegeben haben, meinen Kauderwelsch zu entziffern.

So endete unsere viel zu kurze Zeit in Japan mit der Versprechung: „Wir werden zurück kehren!“. Wenn ich Japan in Schlagwörtern charakterisieren müsste würde ich folgendes Sagen:

Japan ist ein wunderschönes Land mit fantastischem Essen, tollen Dingen zu tun und vor allem den nettesten Menschen der Welt.

Vielen Dank für diese fantastische Gelegenheit, es war ein Erlebnis, das ich niemals vergessen kann.

 

Von Matias Klimpel  (マティアス クリンペル)

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